Offene Stellungnahme des KIDS (basis & woge e.V.) zur Haasenburg

15 Juli 2013 | Team KIDS Basis Woge e.V.

Offene Stellungnahme des KIDS (basis & woge e.V.) zur Haasenburg

Wir Mitarbeiter_innen des KIDS, der Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenslagen am Hamburger Hauptbahnhof, sind entsetzt und empört über den Umgang mit den aus der Haasenburg geflohenen Jugendlichen und fordern von der Hamburger Sozialbehörde, dem Familieninterventionsteam, den zuständigen Jugendämtern, Amtsvormündern und Familiengerichten die Unterbringung aller Hamburger Jugendlichen in der Haasenburg sofort zu beenden.

Darüber hinaus fordern wie die Schließung dieser Einrichtung.

Wir hatten in der Vergangenheit mehrmals Kontakt zu ehemaligen Bewohner_innen der Haasenburg, deren Schilderungen über Hausregeln, Erziehungspraktiken, physischen und psychischen Übergriffen sich unabhängig voneinander mit den aktuellen Vorwürfen gegen die Mitarbeiter_innen der Haasenburg decken. Deshalb haben wir keinen Zweifel an der Richtigkeit dieser Aussagen.

Die uns geschilderten Praktiken und Regeln in den Einrichtungen der Haasenburg widersprechen allen Grundsätzen eines würde- und respektvollen Umgangs mit Kindern und Jugendlichen, die jedem Menschen in diesem Land per Grundgesetz zustehen.

Das pädagogische Prinzip der Haasenburg, sich rigiden Strukturen und Regeln zu unterwerfen und sich durch Wohlverhalten Freiräume für vermeintliche Selbstbestimmung zu verdienen, führt kaum zu einem positiven innerem Wachstum der Jugendlichen sondern zu neuerlichen Erfahrungen von Gewalt, Ohnmacht und Entwürdigung.

Gerade für traumatisierte Jugendliche – und es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der dort untergebrachten Kinder und Jugendliche von Traumata betroffen sind – sind so Retraumatisierungen vorprogrammiert.

Würden Jugendliche von ähnlichen Erziehungsmaßnahmen durch ihre Eltern berichten, würde kein Jugendamt zögern, sie in Obhut zunehmen. Kinder und Jugendliche in einer Einrichtung zu belassen, die von mehreren Seiten mit so schwerwiegenden Vorwürfen belastet ist, ist uns unverständlich und widerspricht dem Kindeswohl. Bestehen an diesen Anschuldigungen Zweifel, sollte hier doch zum Schutz der Jugendlichen und nicht der Einrichtung entschieden werden.

Besonders zynisch erscheint uns der Vorgang, dass der aus der Haasenburg geflohene Hamburger Jugendliche gegen seinen Willen wieder dorthin zurückgebracht wurde und das, obwohl von der Brandenburgischen Bildungsministerin bereits ein Aufnahmestopp verhängt wurde. Gerade hier besteht ein besonderer Schutzauftrag dem Jugendlichen gegenüber, der vor den dortigen Misshandlungen geflohen war und diese – mit Unterstützung – öffentlich gemacht hat.

Aus unserer langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die zum Teil „aus dem Rahmen fallen“ und damit Aufnahmekriterien für geschlossene Heime erfüllen, wissen wir, dass es sinnvolle und erfolgreiche pädagogische Alternativen zu geschlossener Unterbringung gibt. Diese kosten Geld, das offensichtlich vorhanden ist, wenn es um geschlossene Heime geht, und sie fordern allen Beteiligten viel Geduld und Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit diesen Jugendlichen ab. Es gilt diese Konzepte weiterhin auszubauen und entsprechend auszustatten.

Geschlossene Heime lösen die Probleme nicht sondern verschärfen sie in der Regel. Wir fordern daher die Schließung der Haasenburg und die Abschaffung geschlossener bzw. teilgeschlossener Heime.

Totalitäre Konzepte und ein entwürdigender Umgang mit Kindern und Jugendlichen sind eine Schande für unseren Berufsstand. Hamburger Kinder und Jugendliche solchen Einrichtungen anzuvertrauen, ist ein Armutszeugnis für diese Stadt.

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