Jan Ehlers zur Haasenburg GmbH und zur geschlossenen Unterbringung

J_ehlers_150px Jan Ehlers (ehemaliger Hamburger Sozialsenator):

„Überall dort, wo Menschen Gewalt über Menschen ausüben, lauert der Missbrauch. … [weiterlesen]

Das damalige Konzept „Menschen statt Mauern“ war in seinem Vertrauen auf menschliche Beziehungen statt Einschluss fragil; wir hätten es nach 10 Jahren überprüfen müssen und wollen.

Das ist nicht geschehen. Andere Aufgaben drängten sich in den Vordergrund. Das Thema blieb trotzdem weitgehend unbeachtet, bis ein junger Mann aus einer betreuten Jugendwohnung einen Einzelhändler in Langenhorn überfiel, ihn ausraubte und ihm das Leben nahm. Das Verhalten der Pädagogen, deren Aufgabe es gewesen wäre, diesen Schutzbefohlenen von diesem Geschehen abzuhalten, war nicht zu beschönigen. Sie fanden einfach nicht statt, denn sie waren nicht da.

Seitdem wird in Hamburg wieder weggesperrt, denn Politik erfordert in der Demokratie nicht rationale Konsequenzen, sondern vor allem öffentlich akzeptierte Konsequenzen.

Alle dann praktizierten Konzepte haben sich allerdings nicht nur als zu teuer, sondern auch als im Wesentlichen nutzlos erwiesen. Und da lag es nahe, dieses schmuddelige Thema nach Brandenburg zu exportieren, als sich dort eine mit staatlichen Geldern finanzierte privatwirtschaftliche und gewinnorientierte Einrichtung etablierte, die sich mit fast mafiotischer Absicherung jeder öffentlichen Kritik entzog. Ich war schon nicht mehr im Amt, als in Hamburg wieder weggesperrt wurde – und ich habe das und die nachfolgenden Entwicklungen auch nie akzeptieren können. Denn ich hatte doch noch erlebt, wie im Jugendamtsheim Osdorf ein umzäunter Außenbereich für die Kinder und Jugendlichen zum frische-Luft-schnappen hergerichtet war, den diese vom Haus aus durch einen Drahttunnel – von der Zirkusmanege bekannt – erreichten. Und ich habe die mit Blech beschlagenen Zellentüren im „Heim für gefallene Mädchen“, der Feuerbergstraße gesehen, mit Beulen, die davon herrührten, dass die eingesperrten jungen Frauen den Kopf gegen die Zellentür schlugen. Ich weiß, welche Gewalt bei Einschluss auf allen Seiten entsteht und eskaliert. So auch offenbar in der Einrichtung in Brandenburg.

Zum Glück gibt es inzwischen mit Frau Münch als verantwortlicher Ministerin in Brandenburg und mit Wolfgang Rose, einem Bürgerschaftsabgeordneten in Hamburg, eine Politikerin und einen Politiker, die wider den Stachel löcken. Ich wünsche beiden guten Mut und viel Erfolg dabei.

Ich lebe in der Freien und Hansestadt Hamburg. Hier sind ganz selbstverständlich Kommerz und kaufmännisches Denken zu Hause. Mit der „Freiheit“ ist das oftmals schon so eine Sache. Aber ich bin stolz darauf, dass meine Stadt den Titel „Freie und Hansestadt“ trägt und möchte mich nicht schämen müssen, weil der Begriff „Freiheit“ im Namen in der Wirklichkeit nichts gilt.“

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