Treffen des Hamburger Aktionsbündnis’ gegen geschlossene Unterbringung

Das Aktionsbündnis gegen geschlossene Unterbringung in Hamburg trifft sich ca. alle sechs Wochen (um 18h)

Zur Zeit wieder “live” !

Nächstes Treffen Dienstag 28.09.2021 um 18:00 Uhr
„live“ in den Räumen von SOAL e.V.: Große Bergstraße 154; 22767 Hamburg

Vorschlag Tagesordnungspunkte:

  • Kurze Berichte
  • Mögliche Veranstaltung im Frühjahr 2022
  • Bundesweite Vernetzung – Ideen sammeln, Treffen

Die Treffen (je nach Lage auch online) sind offen für Interessierte. Wir würden uns jedoch über eine Ankündigung per Mail freuen.

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Zwang ist kein Schutz. Gegen Geschlossene Unterbringung in der Jugendhilfe – eine Veranstaltung am 05.10.2021 in Jena

Geschlossene Heime sind keine Lösung … und doch werden nach wie vor Kinder und Jugendliche gegen ihren Willen eingesperrt – auch in Thüringen. Geschlossene Unterbringung
ist nicht nur eine Verletzung von Menschen- und Kinderrechten, sie widerspricht auch allen fachlichen Prinzipien einer inklusiven und subjektorientierten Kinder- und Jugendhilfe.

Wir – das Aktionsbündnis gegen Geschlossene Unterbringung in Thüringen – streiten dafür, die Geschlossene Unterbringung ersatzlos abzuschaffen. Erziehung ist nur in Freiheit möglich.

Geplantes Programm:
15.00 Uhr Begrüßung

15.15 Uhr „Warum wir gegen Geschlossene Unterbringung sind“ Impulsvortrag Friedhelm Peters

15.45 Uhr „Dressur zur Mündigkeit?“ Buchvorstellung und Filmausschnitte (Timm Kunstreich)
16.30 Uhr Die Hamburger Koordinierungsstelle Individuelle Hilfen (Video-Interview mit Maren Peters)

17.00 Uhr Pause

17.20 Uhr Statements von Akteur*innen des Thüringer Netzwerks gegen GU
17.30 Uhr Stimmen aus dem Publikum
18.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Ort: Café Wagner, Wagnergasse 26, 07743 Jena

Die Teilnahme ist kostenlos. Wir bitten um Anmeldung bis zum 30.09.2021 an folgende Mailadresse: gguth (at) posteo.de (Informationen über das Hygienekonzept lassen wir Ihnen vorab zukommen.)

Eine Veranstaltung des Thüringer Aktionsbündnisses gegen Geschlossene Unterbringung in Kooperation mit der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen, der Ernst-Abbe-Hochschule Jena │ Fachbereich Sozialwesen und der Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof (GJWH) Torgau │ Trägerverein der Gedenkstätte GJWH Torgau.

Weitere Infos folgen, bzw. finden Sie im Flyer

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Fixiergurte und persönliche Akten in verlassenem Haasenburg-Heim entdeckt?

Wie die TAZ Berlin am 6.8.2021 berichtet, tauchen nun neue erschreckende Erkenntnisse über die Gewalt in den ehemaligen (Dez. 2013 geschlossenen) Heimen der Hasenburg GmbH in Brandenburg auf. Und: weil ehemalige Akten im Keller der Räume jetzt gefunden wurden, liegt zudem noch eine Verletzung des Datenschutzes vor.

Die taz schreibt u.a. : “…auf Youtube ein Video mit dem Titel „Das H*rror-Kinderheim!“. Ein Filmteam, das unbekannte Orte, „UnknownWorlds“, aufspürt, hat bereits im November 2020 einen Streifen ins Netz gestellt, der das ehemalige Haasenburg-Haus in Jessern am Schwielochsee zeigt. Die Filmer führen den Zuschauer dabei in den Keller, wo ein Karton mit braunen Fixiergurten zu sehen ist, den sie laut ihrem Bericht in einem mit Brettern abgedeckten Schacht fanden. Außerdem finden sie beim Gang durch das gespentisch leere Haus, das zu DDR-Zeit ein Gästehaus des Rats der Stadt Cottbus war, Akten von Mitarbeitern und Jugendlichen, etwa einem Mädchen, das weglief, sowie die Röntgenbilder, die zum Alter der Ex-Insassen passen.”

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“Das Leben in der Freiheit kann man nur in Freiheit lernen.” (Johannes Feest) – Jugendstrafvollzug abschaffen!

Interview mit Johanns Feest, Kriminologe und Rechtssoziologe, 1974-2005 Professor an der Universität Bremen. pdf-download

“Heute wissen wir, dass die Rückfallquote von etwa 75% im Jugendvollzug höher ist als bei den Erwachsenen, wo sie bei rund 50% liegt.”

“Nach der UN-Kinderrechtskonvention, die für alle unter 18-Jährigen gilt, ist der Strafvollzug nur das letzte Mittel, das für die kürzestmögliche Dauer verhängt werden soll”.

“Für mich ist der Strafvollzug eine einzige Peinlichkeit.”

“Viel gescheiter wäre es, die Menschen möglichst freiheitsnah zu behandeln, das wäre dann auch wirklichkeitsnäher und die Jugendlichen wären mit den Schwierigkeiten des realen Lebens konfrontiert.”

Erschienen in: Zeitschrift der Straße Nr. 67 , Bremen März 2019

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Diskussionsbeitrag der SOAL zur Konzeption der geplanten Einrichtung “Klotzenmoorstieg” in Hamburg

Aus Fehlern der Vergangenheit lernen: Planung der Einrichtung Klotzenmoorstieg anders denken

“Das Leidvollste würde ich sagen, war das Eingesperrtsein und diese wirklich extreme Strenge. Das hat nichts mit normaler Strenge zu tun, wie man es mit seinen eigenen Kindern machen würde, sondern die extrem distanzierte Strenge und dieses, dieses ausgeliefert sein (…) gar nichts selbst entscheiden zu können, nicht mal den Toilettengang. Und diese Isolation, kein Kontakt zu den Eltern und mit den anderen Kindern, das war schon prägend.“ So beschreibt Fabian (Name geändert) seine Erfahrung, die er als Dreizehnjähriger in einer sogenannten „hochstrukturierten“ Jugendhilfeeinrichtung gemacht hat. 

Kein Kind, egal mit welcher Vorgeschichte, sollte eine solche Erfahrung machen müssen! Dennoch plant Hamburg gerade eine Einrichtung am Klotzenmoorstieg, wo es laut Koalitionsvertrag „im Einzelfall auch hoch strukturiert ausgestaltete intensivpädagogische Angebote“ geben soll. Zielgruppe sind Kinder an der Schnittstellen von Jugendhilfe und Psychiatrie. Im Klartext bedeutet ein „hochstrukturiertes“ Konzept: Den Kindern werden ihre Rechte entzogen, die sie sich durch Wohlverhalten schrittweise wieder erarbeiten müssen.

Diese Planung ist angesichts der Kinderrechtsdiskussion und des neuen Kinder- und Jugendschutzgesetzes, das Beteiligungsstrukturen vorschreibt, überholt. Hier muss Hamburg zwingend neu denken. SOAL möchte als Verband deshalb frühzeitig alternative Konzeptvorschläge in den Planungsprozess mit einbringen. Geschlossene Einrichtungen und Belohnungssysteme müssen endlich der Vergangenheit angehören, und die Erfahrungen betroffener Jugendlichen müssen konsequent in die Planungen einfließen!

Deshalb hat SOAL einen ganzen Strauß von Ideen entwickelt und sucht gemeinsam mit verantwortlichen Fachmenschen, Fachpolitiker*innen und Fachbehörden den Dialog. Wir möchten mit unseren Anregungen dazu beitragen, lebensweltorientiert und kindgerecht zu planen und die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

Das detaillierte Diskussionspapier finden Sie unter diesem LINK.

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Treffen der Regionalgruppe Hessen

Das nächste Treffen der Regionalgruppe Hessen findet am Dienstag, 19.10.2021 um 18 Uhr statt.

Wir werden uns online treffen.

Die Zugangsdaten bekommen Interessierte gern auf Anfrage unter der

E-Mail Adresse: hessen (at) geschlossene-unterbringung.de

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Treffen der Regionalgruppe Hessen am 15.07.2021

Das nächste Treffen der Regionalgruppe Hessen findet am 15.07.2021 um 18 Uhr statt.

Wir werden uns online treffen.

Die Zugangsdaten bekommen Interessierte gern auf Anfrage unter der

E-Mail Adresse: hessen (at) geschlossene-unterbringung.de

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Kinder- und Jugend­psychiaterin Charlotte Köttgen warnt vor der teilgeschlossenen Einrichtung “am Klotzenmoorstieg” (taz 10.06.2021)

SPD und Grüne in der Hamburger Regierungskoalition treiben die Umsetzung einer teilgeschlossenen Einrichtung für Kinder und Jugendliche (am Klotzenmoorstieg) voran, ein Kooperationsprojekt von Psychiatrie und Jugendhilfe. Kinder sollen dort gezwungen werden, ein Drei-Phasenmodell zu durchlaufen. Die erste Phase ist mit Einschluss verbunden, also freiheitsentziehende Maßnahmen. Diese Methoden haben Ähnlichkeiten mit US-Amerikanischen Boot-Camps.

“Erfahrungsgemäß schaffen geschlossene Einrichtungen genau die Probleme, die sie verhindern wollen – starre Regeln, Widerstand, Gewalt, Entweichungen”, sagt Charlotte Köttgen. In den inzwischen geschlossenen Heimen, Haasenburg GmbH (Brandenburg) und im Friesenhof (Schleswig Holstein), führten solche Konzepte zu Gewaltübergriffen und Traumatisierungen von Kindern und Jugendlichen.

Charlotte Köttgen warnt davor. Sie ist pensionierte Kinder- und Jugend­psychiaterin und leitete von 1984 bis 2003 Hamburgs Jugend­psychologischen und Jugendpsychiatrischen Dienst (JPPD) und wird in diesem Beitrag in der taz vom 10. Juni 2021 interviewt.

Es gälte stattdessen anzuknüpfen an die wissenschaftlich evaluierten, positiven Erfahrungen der Hamburger Jugendhilfe von 1984-2003. Hamburgs sollte damit aufhören, ca. 1.6oo Kinder in auswärtigen (schwer kontrollierbaren) Einrichtungen unterzubringen. “Tauchen bei Kindern Probleme auf, auch wenn es psychiatrisch genannte sind, sollte man im Lebensfeld nach Hilfsmöglichkeiten suchen und dort Verbesserung schaffen, wo sie nicht zurecht kommen.”

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Fachforum auf dem 17. Deutscher Kinder- und Jugendhilfetag 18. – 20. Mai 2021

Mit ca. 130 Teilnehmer:innen war das Fachforum “Aktionsbündnisse gegen Freiheitsentzug und geschlossene Unterbringung: Entwicklungen und Einsprüche aus der Jugendhilfe am 18. Mai 2021 ausgebucht und ein voller Erfolg. Der Ablauf (90 min):

1.) Kurzstatements aus den Aktionsbündnissen verschiedener Bundesländer: Aktuelle fachpolitische Entwicklungen und zentrale Einsprüche

1.1.) Prof. Dr. Tilman Lutz: historischer Abriss, Situation in Hamburg und Einsprüche I
1.2.) Rodolfo Bohnenberger: Die Situation in Bremen und Einsprüche II
1.3.) Prof. Dr. Nicole Rosenbauer, Prof. Dr. Simone Janssen: Situation in Sachsen und Einsprüche III
1.4.) Prof. Dr. Diana Düring: Situation in Thüringen und Einsprüche IV
1.5.) Aktionsbündnis Hessen: Situation in Hessen

2.) “Breakout-Sessions” (Arbeitsgruppen): Lokale Erfahrungen der Teilnehmer*innen – Aspekte zur Sicherung der Handlungsfähigkeit der Jugendhilfe jenseits von Freiheitsentzug.

3.) Zusammenführung der kritischen Positionen sowie der zentralen Aspekte für eine Jugendhilfe ohne GU/FeM. Gemeinsame Abschlusserklärung, vorgestellt von Prof. Dr. Timm Kunstreich und Prof. Dr. Friedhelm Peters.

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Offener Brief an Bremer Bürgerschaftsabgeordnete und Senatsmitglieder aus Sorge um die Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe

Bremen, 07. April 2021

Sehr geehrte Frau / Herr Abgeordnete/r in der Bremer Bürgerschaft,

ich wende ich an Sie (Abgeordnete bzw. Senatsmitglieder) aus Sorge um die Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe. Ich war 13 Jahre lang als Diplomsozialpädagoge und Familientherapeut in der Bremer Kinder- und Jugendhilfe tätig und hatte im Anschluss drei Jahre lang einen Lehrauftrag im Studiengang Soziale Arbeit (Hochschule Bremen). Meine Anliegen gliedern sich in zwei Teile.

Im ersten Teil geht es um die Reformabsichten zu den gesetzlichen Grundlagen, die zur Zeit im Bundestag und Bundesrat (Reform SGB VIII) anhand eines von SPD/CDU eingebrachten Gesetzentwurfes zur Abstimmung anstehen.

Im zweiten Teil geht es um Bremer Familien, Kinder und Jugendliche, die von stationären Unterbringungen in sog. „intesivpädagogischen“, oder (teil)geschlossenen Einrichtungen (auch in der Jugendpsychiatrie) betroffen sind. Dazu übersende ich Ihnen einen angehängten Fragenkatalog, als Vorschlag für eine parlamentarische Anfrage.

Zu I.

Seit 12 Jahren wird an einer „Reform“ des Sozialgesetzbuch SGB VIII – unter dem Namen „Kinder- und Jugendstärkungsgesetz KJSG“ – gearbeitet. Im Bremer Bündis Soziale Arbeit haben wir seit Gründung 2011 kritisch diesen Prozess begleitet und etliche Fachtage dazu organisiert. (https://bremerbuendnissozialearbeit.jimdofree.com/stellungnahmen/stellungnahmen-zur-geplanten-sgb-viii-novelle/) Ich bin in sehr großer Sorge angesichts der negativen Konsequenzen für die Lebenswirklichkeit der betroffenen Familien und Kinder, die sich aus den vorliegenden Entwürfen ergeben könnten.

Meines Erachtens würden mit dem zur Abstimmung stehenden Gesetzentwurf im Bundestag und Bundesrat statt präventiver Unterstützung von Familien und Kindern in prekären Lebenslagen lediglich die staatlichen Kontrollinstanzen innerhalb die Kinder- und Jugendhilfe unter dem Schlagwort „Kinderschutz“ weiter ausgebaut. Ich war selbst in den 1970er und 1980er Jahren beteiligt an den Bemühungen für die dringend notwendige Reform der „Jugendfürsorge“, die schließlich ab 1991 einmündete in das heute in seinen Grundzügen noch geltende Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG). Danach sind Kinder (zumindest laut Gesetz) nicht mehr OBJEKTE staatlicher, eingreifender „Fürsorge“, sondern zu respektierende SUBJEKTE; und ihre Familien haben, unserem Grundgesetz entsprechend, einen Rechtsanspruch auf eine angemessene und dem je besonderen Bedarf ihrer Kinder entsprechende Hilfe.

Nunmehr sollen aber laut vorliegendem Gesetzentwurf „Wege“ eingebaut werden, diesen Rechtsanspruch zu umgehen; und mit dem vorliegenden Gesetzentwurf werden die ohnehin seit Jahren „zusammengesparten“ offenen und präventiven Bereiche leider nicht – wie zu wünschen wäre – rechtlich und finanziell gestärkt. Genau dies wird seit Jahren von den betroffenen Familien und jungen Menschen und den „vor Ort Fachkräften“ gefordert und fand trotzdem keinen Eingang in den Gesetzentwurf.

Wir bräuchten aber eine Verbesserung der bisherigen Hilfeangebote, um Familien zu unterstützen, auch in krisenhaften Lebensphasen ihre Lebensumstände wieder zu einem Ort des guten Gelingens werden zu lassen. Was jetzt möglicherweise kurzfristig Kosten senkt, könnte zukünftig teure stationäre Fremdunterbringungen noch weiter ansteigen lassen.

Vor allem die wünschenswerte Inklusion könnte – wegen fehlender, bzw. nicht zugewiesener finanzieller Ressourcen – zu immensen Mehrkosten der ohnehin bereits „klamm gemachten“ Kommunen führen, und zur Folge haben, dass „arme Familien“ unzulässigerweise in Budget-Konkurrenz gesetzt werden mit „Familien mit behinderten Kindern“.

Der bisherige Gesetzentwurf, sowie die bekannt gewordenen Änderungsbedarfe des Bundesrates, auf den der Bremer Senat durchaus Einfluss hat, würde mit ihrer Vielzahl bürokratischer Vorgaben – abseits von pädagogischer Qualität – einhergehen und Sachzwänge schaffen, die an den Bedarfen der Familien und ihrer Kinder vorbeigeht. Es fehlen auch qualitative und quantitative Vorgaben, die den regionalen Jugendämtern und den von ihnen beauftragten Trägern bei der Gewährleistung notwendiger Qualität Orientierung geben würden.

Die Kinder- und Jugendhilfe läuft damit Gefahr, gegenüber prekär lebenden Familien als zu „verwaltende Problemträger“ zu intervenieren – ganz entgegen dem Anspruch im bisherigen SGB VIII, sich an der Lebenswelt der Adressaten zu orientieren und die Förderung von Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung anzustreben (Hilfe zur Selbsthilfe).

Anbei finden Sie ergänzend einen offenen Brief von FachkollegInnen, zum Teil auch ehemalige Leiterinnen von Jugendämtern, die ebenso wie ich in großer Sorge sind in Bezug auf die weiteren Entwicklungen in der Jugendhilfe. Mein Eindruck ist, dass vielen Abgeordneten die massiven Auswirkungen des vorliegenden Gesetzesentwurfes kaum bekannt sind.

Bitte setzen Sie sich stattdessen dafür ein, dass der Familienbezug, die Fachlichkeit, die Lebensweltorientierung und die Qualität der Kinder- und Jugendhilfe verbessert wird, statt sie noch zusätzlich zu belasten. Dazu gehört auch, dass vor Ort in den Jugendämtern keine neuen Kosten-Konkurrenzen entstehen und der Bund für eine entsprechende Absicherung der zusätzlichen Aufgaben sorgt.

Zu II.

Aus Sorge um die zunehmende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die aus ihren Familien „genommen“ und in (teil)geschlossenen Heimeinrichtungen untergebracht werden, rege ich an, den angehängten Fragenkatalog in Form einer parlamentarischen Anfrage in der Bürgerschaft zu debattieren. Da die Regierungsparteien in der Regel wenig Interesse haben, ihr eigenes Regierungshandeln einer kritischen Prüfung zu unterziehen, besonders vor den Wahlen, wäre dies die ureigenste Aufgabe der Opposition.

Fragen an den Bremer Senat zur Fremdunterbringung in der Kinder- und Jugendhilfe:

  • Haben wir in Bremen Kinder- und Jugendheime mit Teilschließung?
  • Haben wir in Bremen Heime, wo Token- und Phasenmodelle (Dressurmodelle) eingesetzt werden?
  • Haben wir in Bremen eine geschlossene Einrichtung für junge Menschen?
  • Wie viele junge Menschen werden in (teil)geschlossenen Einrichtungen außerhalb Bremens untergebracht?

Eine ausführliche Präzisierung der Fragen und Erläuterung der dazugehörigen Anlässe in der bremischen Jugendhilfe findet sich im Anhang dieser Mail.

Weitere Informationen finden sich auch hier: https://bremerbuendnissozialearbeit.jimdofree.com/gegen-geschlossene-unterbringung/

Mit freundlichen Grüßen

Rodolfo Bohnenberger

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