Stellungnahme des Aktionsbündnisses gegen geschlossene Unterbringung Hamburg und von ver.di FG Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe, Hamburg zu dem neuen Jugendhilfe-Skandal in Schleswig-Holstein und Hamburg um die Einrichtungen Dörpling und Rimmelsberg

Das kenne ich – genau das habe ich auch erlebt – allerdings vor 50 Jahren!“

Das war die spontane Reaktion unseres Mitglieds Wolfgang Rosenkötter, als er die Berichte über die erniedrigenden und gewalttätigen Praktiken in den Einrichtungen in Dörpling und Rimmelsberg hörte. ( z.B. Spiegel 30.04.16, HA 3.5.16, TAZ 4.5.16). Kontakt- und Besuchsverbote, Telefon- und Postüberwachung, Ausgehverbote und Essensentzug, körperliche Gewalt, um Gehorsam zu erzwingen, Taschengeldentzug, entwürdigende Punktesysteme sowie beleidigende Provokationen erlebte er in der Erziehungsseinsrichtung Freistatt (der preisgekrönte Film „Freistatt“ basiert auf seinen Erlebnissen) – und es gibt sie offensichtlich auch noch heute. Die Haasenburg, der Schönhof und der Friesenhof und jetzt Dörpling und Rimmelsberg zeigen deutlich an, dass es sich nicht um Einzelfälle ‚verfehlter Praxis‘ handelt, sondern um die Spitze eines Eisberges. Weiterlesen

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Freistatt

Der vierzehnjährige Wolfgang ist „unbequem und lästig“. Die Lösung des Stiefvaters: Erziehungsheim, genauer: die kirchliche Fürsorgenanstalt Freistatt südlich von Bremen. So geschehen 1968 – in der Zeit von Rock’n’Roll und Studentenrevolte. Dieses Themas hat sich jetzt der Regisseur Marc Brummund angenommen. „Freistatt“ erzählt anhand der privaten Geschichte von Wolfgang Rosenkötter, der hier „Zögling“ war, was über einer halben Million Kindern angetan wurde – in kirchlichen und staatlichen Heimen der Bundesrepublik, bis Anfang der 70er-Jahre.

Die Diakonie Freistatt in Niedersachsen galt als eine der härtesten Einrichtungen und als Endstation vieler Heimkarrieren: Statt Schule Torfabbau, statt Fürsorge den Willen brechen, systematisch, sechs Tage die Woche, morgens bis abends: „Man musste in den ersten drei Monaten Holzstiefel tragen, dass man nicht weglaufen konnte“, erinnert sich Rosenkötter. „Es war besonders schwer, damit zu arbeiten, denn das Moor hat einen runtergezogen. Aber man wurde immer wieder angetrieben von den Erziehern.“ Eine Flucht durch die Moorlandschaft war fast unmöglich. Völlig abgeschieden liegt dieser Ort: Was hier passiert ist, hat kaum einer mitbekommen.

Überwachung und Gewalt gehörten zum Alltag

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Weser Kurier: Senat beschließt geschlossene Einrichtung

Weser Kurier:
Konzept gegen kriminelle Jugendliche: Senat beschließt geschlossene Einrichtung
(12.04.2016)

Die geschlossene Einrichtung für straffällige Jugendliche im Blockland soll Ende nächsten Jahres ihren Betrieb aufnehmen. Das hat der Senat am Dienstag beschlossen.

Gemeinsam mit Hamburg werden für maximal 32 Jugendliche aus beiden Bundesländern intensivpädagogische Unterbringungsplätze geschaffen, damit künftig unterhalb der Schwelle der Straf- oder Untersuchungshaft eine weitere erzieherische Option bereitsteht, der sich die Betroffenen nicht entziehen können. Als Betreiberin wird die in Hamburg ansässige Pädagogisch-Therapeutische Jugendhilfe (PTJ) fungieren. In dieser Institution haben sich verschiedene anerkannte Träger pädagogischer Projekte zusammengefunden. Für das Projekt wird im Blockland auf einer Fläche von rund 8000 Quadratmetern des früheren Jugendgefängnisses ein Gebäude mit einer Grundfläche von rund 2000 Quadratmetern errichtet. Kostenpunkt: rund 5 Millionen Euro. In der geschlossenen Einrichtung sollen vor allem mehrfach mit Straftaten in Erscheinung getretene jugendliche Flüchtlinge untergebracht werden. Der harte Kern dieser Personengruppe wird vom Innenressort des Senats auf 50 bis 70 geschätzt. Laut Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) waren junge unbegleitete Flüchtlinge zwischen März 2015 und März 2016 an 1135 Straftaten beteiligt. Das ist rund ein Drittel aller in Bremen von Jugendlichen verübten Straftaten.

Ergänzend zu dem Projekt im Blockland plant das Sozialressort drei weitere intensivpädagogische Einrichtungen im Stadtgebiet, allerdings ohne die Arrestfunktion. Dort sind weitere 26 Plätze vorgesehen. Parallel soll die Straßensozialarbeit für die Zielgruppe der jugendlichen Flüchtlinge um fünf Stellen aufgestockt werden.  „Der Senat baut damit das vorhandene Instrumentarium an pädagogischen Hilfen weiter aus“, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) bei der Vorstellung des Maßnahmenkatalogs. Senator Mäurer ergänzte, die geplante Anstalt im Blockland sei „dringend nötig“. Bremen brauche eine Alternative zur Untersuchungshaft, „um hochproblematische, kriminelle Jugendliche so schnell wie möglich von der Straße zu bekommen“. […]

Weiterlesen: http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadtreport_artikel,-Senat-beschliesst-geschlossene-Einrichtung-_arid,1353513.html

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Positionspapier des Deutschen Kinderschutzbund zu Geschlossener Unterbringung

Der Deutsche Kinderschutzbund e.V. hat Ende Januar 2015 ein Positionspapier zur Geschlossenen Unterbringung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe verabschiedet.

Präambel

Viele Kinder und Jugendliche wachsen in gewaltbelasteten Verhältnissen auf. Sie erleben u.a. familiale und außerfamiliale Gewalt. Gewalt an Kinder und Jugendliche geht uns alle an und der Schutz vor Gewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Entsprechend verlangt der DKSB in seiner Lobbyarbeit auch von den politischen Akteuren, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen: Gewaltförmige Strukturen durch Gesetze abzubauen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die Gewalt im gesellschaftlichen sowie institutionellen Kontext verhindern.
Die Diskussion über die ethische, kinderpolitische, rechtliche und sozialpädagogische Bedeutung einer Geschlossenen Unterbringung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe fordert auch den Deutschen Kinderschutzbund heraus.
In dem vorliegenden Positionspapier wird das klare „Nein“ zu Geschlossenen Unterbringungen aus dem Blickwinkel unseres Selbstverständnisses „Lobby für Kinder“, konsequent aus der Perspektive des Kindes und Jugendlichen begründet, denn Geschlossene Unterbringungen im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe verletzen die Rechte und die Würde des Kindes.

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Stellungnahme zu den Plänen des Hamburger Senats zur geschlossenen Unterbringung von Kindern und Jugendlichen

Das Aktionsbündnis gegen Geschlossene Unterbringung und der Alternative Wohlfahrtsverband SOAL e.V. haben im Mai 2015 eine Stellungnahme zu den Plänen der rot-grünen Koalition in Hamburg zur geschlossenen Unterbringung von Kindern und Jugendlichen verfasst.

Download als PDF und im Folgenden als Text:
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Petition an die Bremische Bürgerschaft: „Keine geschlossene Unterbringung für junge Menschen im Rahmen der Jugendhilfe“

Bis Mai 2015 wurde die Petition an die Bremische Bürgerschaft „Keine geschlossene Unterbringung für junge Menschen im Rahmen der Jugendhilfe“ von Vielen mitgezeichnet.

Initiiert wurde sie von Olaf Emig, Kriminologe und Sozialpädagoge, Lehrbeauftragter an der Hochschule Bremen, Koordinator zur Vermeidung von Jugendarrest und U-Haft in Bremen und wissenschaftlicher Mitarbeiter der grünen Bürgerschaftsfraktion im Untersuchungsausschuss „Kindeswohl“:

„Keine geschlossene Unterbringung für junge Menschen im Rahmen der Jugendhilfe“

Die Unterzeichner (im Folgenden „wir“) fordern von der Bremer Bürgerschaft, sie möge ihre zuletzt mehrheitlich befürwortende Haltung zur Geschlossenen Unterbringung (GU) von jungen Menschen im Rahmen der Jugendhilfe aufheben. Wir fordern den Senat auf, die Schaffung einer Geschlossenen Einrichtung zu stoppen.

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TAZ | „Es gibt null Untersuchungen“ (Interview mit Olaf Emig)

Der Kriminologe und Sozialpädagoge Olaf Emig über die geschlossene Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge und Defizite der Bremer Jugendhilfeträger.

Mehr dazu im vollständigen Interview von Simone Schnase in der Taz Nord Bremen vom 13.04.2015.

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Debatte um geschlossene Unterbringung in Bremen

Am 10. Mai 2015 wurde in Bremen die Bremische Bürgerschaft neu gewählt. Vor diesem Hintergrund versuchte der Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) mit Law and Order-Maßnahmen zu punkten und sprach sich angesichts einer kleinen Gruppe von auffälligen minderjährigen Geflüchteten für die Einführung von geschlossenen Heimen für diese Flüchtlinge aus.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen e.V., u.a. bestehend aus Vertretern von Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutschem Roten Kreuz, Diakonischem Werk und Jüdischer Gemeinde positionierte sich am 04.02.15 klar gegen diese Pläne.

Das Bremer Bündnis Soziale Arbeit BBSA war beteiligt an der Vorbereitung einer Veranstaltung am 15. Juni 2015 dazu. Michael Lindenberg hielt das Hauptreferat.

Eine Bremer Erklärung gegen die Geschlossene Unterbringung wurde von einem breiten Bündnis und vielen Einzelpersonen unterzeichnet.

Informationen gegen die geschlossene Unterbringung und den weiteren Verlauf der Bremer Debatte, die die GU schließlich erfolgreich abwehren konnte, sind hier online gestellt: „Robuste“ Jugendhilfe – Debatte „Geschlossene Unterbringung“

Michael Lindenberg aus dem Aktionsbündnis gegen Geschlossene Unterbringung in Hamburg wurde 2015 von der taz interviewt. Auf dieses Interview möchten wir an dieser Stelle gerne hinweisen:

Kriminologe Michael Lindenberg über geschlossene Unterbringung

„Nicht lösungsorientiert“

Bremen will straffällige minderjährige Flüchtlinge geschlossen unterbringen – der Kriminologe Lindenberg hält das für falsch.

taz: Herr Lindenberg, Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen fordert für besonders renitente unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nun geschlossene Unterbringung …

Michael Lindenberg: Er wirft Justiz und Jugendhilfe in einen Topf. Das ist falsch. Straftaten sind kein ausreichender Grund für die geschlossene Unterbringung. Auch wenn das politisch immer wieder versucht wird.

Was bedeutet überhaupt ein „geschlossenes Heim“?

In der Regel wird einem Stufenmodell gefolgt: Die Jugendliche dürfen in den ersten Wochen die Einrichtung nicht verlassen, dann haben sie Ausgang in Begleitung, dann begrenzte Ausgänge allein. Die Grundlage dafür ist das Jugendhilferecht und ein Beschluss vom Familienrichter. Der darf das aber nur verhängen, wenn der Selbst- oder Fremdgefährdung nicht durch andere Hilfen begegnet werden kann. Das heißt, erst einmal müssen diese anderen Hilfen versucht werden.

Die 20 bis 25 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge begehen regelmäßig Straftaten, schlagen Polizisten und Betreuer.

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Offener Brief von zwei Müttern zur Geschlossenen Unterbringung in der Haasenburg an den Hamburgischen Sozialsenator Detlef Scheele

Offener Brief an den Hamburgischen Sozialsenator Detlef Scheele

Hamburg, den 20.01.2015

Lieber Herr Scheele,

im Jahr 2013 wurde öffentlich bekannt, dass es innerhalb der geschlossenen Jugendhilfeeinrichtung Haasenburg GmbH in Brandenburg zu schweren Missständen und Misshandlungen gekommen war. Politisch verantwortlich für dort untergebrachte Kinder und Jugendliche aus Hamburg waren zu dieser Zeit als Hamburger Sozialsenator Sie. Geschlossene Unterbringung ist seit der Schließung der Feuerbergstraße, einem durch die Stadt Hamburg betriebenem geschlossenem Heim für verhaltensauffällige und/oder delinquente Kinder und Jugendliche, ein sehr umstrittenes Thema, dies ganz besonders in Hamburg.

Nach dem Aus der geschlossenen Einrichtung in der Feuerbergstraße, ging der Senat Hamburg dazu über, Kinder und Jugendliche in geschlossene Einrichtungen anderer Bundesländer, vorzugsweise beim gewinnorientierten Marktführer, der privaten Haasenburg GmbH in Brandenburg, unterzubringen. Über 50 Hamburger Kinder und Jugendliche wurden insgesamt in der Haasenburg GmbH weggesperrt.
Zwei dieser dort weggeschlossenen Kinder waren unsere Söhne. Weiterlesen

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„Auf manche Hilfe kann man einfach verzichten …“

In der aktuellen Ausgabe des FORUM für Kinder- und Jugendarbeit (04/14) ist ein Artikel erschienen, dessen Lektüre wir an dieser Stelle empfehlen möchten.

„Auf manche Hilfe kann man einfach verzichten …“ Das ‚Familieninterventionsteam‘ als achtes Jugendamt in Hamburg

In dem Artikel wird der Rolle des sogenannten Familien-Interventions-Teams (FIT) im Zusammenhang mit der geschlossenen Unterbringung von Kindern und Jugendlichen nachgegangen. Er beinhaltet zudem ein Interview mit einem jungen Mann, der seit seinem 13. Lebensjahr vom FIT betreut wurde und darüber spricht, wie er diese Zeit im Rückblick sieht, wie er und seine Mutter sich im Hilfeprozess als Personen wahrgenommen und beteiligt fühlten und inwiefern sie insgesamt von der Hilfe profitieren konnten.

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