Lesenswerte Rezension von „Jenseits des Kindeswohls“ erschienen

Der Kollege Manuel Essberger hat eine lesenswerte Rezension des jüngst erschienenen Bandes „Jenseits des Kindeswohls. Junge Menschen aus den Haasenburg-Heimen erzählen“ von Kaija Kutter und Michael Lindenberg verfasst. Sie ist in der aktuellen Ausgabe des FORUM für Kinder- und Jugendarbeit erschienen und kann hier nachgelesen werden: Zur Rezension.
Die Fachzeitschrift FORUM für Kinder- und Jugendarbeit kann über den Verband Kinder- und Jugendarbeit Hamburg e.V. (VKJH) bezogen und abonniert werden: Zur Homepage des VKJH

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„Jenseits des Kindeswohls“ – Buchvorstellung am 2.12.25 in der taz Kantine, Berlin

2013 wurden drei Haasenburg-Heime wegen drangsalierender Erziehungspraktiken geschlossen. Nun schildern ehemalige Heimkinder ihre Sicht in einem Buch und machen ihre Geschichten öffentlich.

Am Dienstag, d. 2.12.2025 um 19 Uhr wird das Buch „Jenseits des Kindeswohls“ in der taz Kantine, Friedrichstr. 21, 10969 Berlin vorgestellt.

Die Möglichkeit zur kostenlosen Anmeldung gibt es hier: https://taz.de/!vn6126644/

Nähere Informationen zum Buch und die Möglichkeit zur Bestellung sind hier zu finden: https://igfh.de/publikationen/fachbuecher/jenseits-des-kindeswohls

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Zum Zusammenwirken von Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hamburg

Anlässlich des Koalitionsvertrages der neuen Hamburger Regierung sowie der Entwicklung um „Casa Luna“ haben wir als Aktionsbündnis gegen geschlossene Unterbringung unsere bereits im Januar 2023 gemeinsam mit dem Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit Hamburg vorgelegten und u.a. im Landesjugendhilfeausschuss diskutierten alternativen Überlegungen und Vorschläge zum Zusammenwirken von Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hamburg aktualisiert.

Die Publikation kann hier als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Wir freuen uns über Rückmeldungen dazu per Mail an kontakt[at]geschlossene-unterbringung.de.

 

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Das System Doktor Michael Winterhoff

Ein in den Medien jahrelang gefeierter Buchautor und Kinderpsychiater, Michael Winterhoff, hat – fast unbemerkt von der Öffentlichkeit – ein Jugendhilfe- und Jugendpsychiatrie-System gefördert, das mit überwunden geglaubten Methoden Kinder jahrelang medikamentös ruhiggestellt und einem repressiven pädagogischen System ausgesetzt hat.

Erst durch die Recherchen von ARD, WDR und Spiegel wurde darüber kritisch berichtet. Erstmals konnten sich einige Herangewachsene zur Wehr setzen. Derzeit steht der Kinderpsychiater als Angeklagter vor dem Bonner Landgericht.

Charlotte Köttgen hat die bekannt gewordenen Fakten, die gestützt wurden durch ein Gutachten an dem C. Schrapper beteiligt war, in folgendem Beitrag zusammengefasst und bewertet.

[Artikel als PDF]

Charlotte Köttgen (August 2025)

„Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ ist der Titel des Buches, das der Bestseller-Autor Michael Winterhoff[1] 2008 publiziert hat. Winterhoff war ein gefragter Gutachter für die Ju­gendämter, er behandelte junge Patient*innen, deren Eltern (bzw. Sorgeberechtigten), beriet Heime. Er war Gast in namhaften Talkshows[2], dort konnte er als gefeierter Sprecher wie ein Superstar seine Haltung gegenüber Kindern und seine pädagogischen Konzepte populär ma­chen. Er hielt Vorträge, zu denen die Massen strömten und bot Fortbildungen für Fachleute an.

Das Weltbild und die florierende Praxis des Dr. Winterhoff

Große Teile der deutschen Jugend seien gestörte Persönlichkeiten, die lebensunfähig, egois­tisch und nur im Durchsetzen eigener Wünsche stark seien, die Schuld trügen die Eltern. Die­se hätten es versäumt, sich abzugrenzen, seien nicht imstande, sich Respekt zu verschaffen und klare Hierarchien durchzusetzen. Viele Kinder seien kleine Tyrann*innen, so sein Urteil, wie schon der erfolgreiche Buchtitel anklingen lässt. Nichtachtung, Strafen und Unterwerfung hält er für die geeigneten Methoden im Umgang mit seinen kleinen Patient*innen (Spiegel, 2021).[3]

Die Behandlungsmethoden und die pädagogischen Konzepte in den Heimen unter der Anlei­tung des Psychiaters und die Mitwirkung der Jugendhilfe gerieten in das Blickfeld einer brei­teren Fachöffentlichkeit, als WDR/ARD und Spiegel im Jahr 2021 ihre Recherchen veröffent­lichten.[4]

Winterhoffs Diagnosen wie „narzisstische Störung, symbiotische Beziehung“ (in der Regel „zur Mutter“) wurden demnach in minutenschnellen Untersuchungen gestellt. Meistens, ohne mit den Kindern direkt gesprochen zu haben. Die Schlussfolgerung aus diesen gleichlauten­den Diagnosen: Wegen der mangelnden Grenzziehung von Seiten der Eltern könnten die Kin­der sich nicht entwickeln und verharrten so auf der Stufe von 3-Jährigen.

Er empfiehlt auf Grund dieser Einschätzung, mit und ohne den Willen der Eltern oder der Be­treuer*innen, einen Sorgerechtsentzug einzuleiten, dem die Einweisung in ein System von Heimen, z.B. den „heilpädagogisch orientierten“ Wohngruppen der HPW Dierdorf, folgte. Es gab ein Netz von Heimen, das eng mit dem Psychiater kooperierte. In den Heimen wurde von ihm das Psychopharmakon Pipamperon / Dipiperon verordnet. Obwohl dieses Mittel nur bei akuten Erregungszuständen und dann auch nur kurz für Kinder zugelassen ist, bekamen es auch die noch 3- bis 4-jährigen Kinder zum Teil jahrelang. Die ehemaligen Heimkinder schil­dern später neben der müden Apathie und einer medikamentös verursachten Hilflosigkeit an­haltende Symptome wie unwillkürliche Zuckungen, Zittern u.a., die zu einigen der bekannten Folge- und Nebenwirkungen der Psychopharmaka gehören (siehe Beipackzettel). Bei Auf­müpfigkeit wurde ihnen die Dosis erhöht. Manche konnten dem Unterricht wegen der per­manent erzeugten Schläfrigkeit nicht folgen.

Es handelte sich um Kinder aus sozial und familiär schwierigen Verhältnissen. Die Kinder stammen aus Heimen, aus Familien, in denen sie teilweise Vernachlässigung und auch Miss­handlungen erlebt hatten, sie waren Opfer von Suchtproblemen der Eltern, Kinder von über­forderten, alleinerziehenden Müttern und/oder Kinder, die eine vorübergehende Notunterkunft benötigten.
Es waren also Kinder aus Familien, die dringend Hilfen für ihr Aufwachsen benötigten, Hil­fen, die ihnen gesetzlich gemäß SGB VIII zustehen.

Das pädagogische Konzept des M. Winterhoff basiert auf seiner schon beschriebenen Grund­einstellung: Die von ihm als „lebensunfähig” und „egoistisch“ beschriebenen Kinder erfahren die Herausnahme aus dem Elternhaus und repressive Heimerziehung, die einhergeht mit Es­sensentzug, körperlicher Gewalt, Isolation, Strafen, zwangsweise verabreichten Medikamen­ten und Nichtachtung ihrer persönlichen Bedürfnisse, insbesondere gilt ein strenges Verbot, eine Beziehung mit den Kindern aufzunehmen.

Erst durch die kritische Berichterstattung von ARD und Spiegel[5] fühlten sich ehemalige Be­troffene als Opfer dieser Behandlung ermutigt, sich zu wehren. Wie viele Kinder in diesem System „erzogen und behandelt“ wurden, ist unklar. Die auf staatsanwaltliche Ermittlungen hin von der Polizei beschlagnahmten Akten beliefen sich auf 3.000, es wurden immerhin 15 Heime durchsucht.
Es kam zu einer Sammelklage, und in 36 Fällen wurde Anklage erhoben.[6] Michael Winterhoff steht derzeit als Angeklagter vor dem Bonner Landgericht.

Die Ankläger*innen sind seine ehemaligen Patient*innen, die er in zahlreiche Heime vermit­telt hat. Dort wurden sie jahrelang mit Psychopharmaka ruhiggestellt.[7]

Beurteilung:

Eine mit Zwang und Repression einhergehende Kooperation zwischen Jugendhilfe und Psychiatrie findet immer wieder Nachahmer*innen. Seit Jahrzehnten ist zu beobachten, wie bei den in der Öffentlichkeit bekannt gewordenen schwierigen Einzelfällen von Seiten poli­tisch Verantwortlicher Druck ausgeübt wird und der Ruf nach Einsperren und Repression, un­terstützt durch Medien und Psychiatrie, lauter wird, insbesondere vor Wahlen. Dann sollen neue Jugendhilfeeinrichtungen das Problem lösen oder Jugendhilfe durch die Jugendpsychia­trie „gestärkt“ werden – in Hamburg etwa im Rahmen des geplanten Baus des Heimes „Casa Luna“ am Klotzenmoorstieg im Stadtteil Groß Borstel. Aber wie?

So kommen solche „Systeme“, wie das des Herrn Dr. Winterhoff, vielen wie gerufen. Ähnlich funktionierten auch das System der Haasenburg in Brandenburg und manche andere, die ge­scheitert sind.

Betritt ein*e Doktor*in der Psychiatrie die Bühne, der*die die Lösung der Probleme vollmun­dig verspricht, scheinen in Jahren erkämpfte Leitsätze in Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie vergessen.

Winterhoff, der gefeierte Medien-Psychiater, bot überdies den Jugendhilfefachleuten die Chance, sich hinter der „Allmacht“ des Arztes zu verstecken. Dieses Angebot wurde erschre­ckend oft angenommen, und so konnte ein menschenverachtendes System jahrelang aufrecht erhalten werden. Vertreter*innen der Jugendämter begründeten in diesem System ihr unfach­liches Handeln damit, dass ein Facharzt für Psychiatrie doch wissen müsse, was gut sei für die Kinder.

Winterhoffs Agieren basiert auf einem diskriminierend-zynischen Verständnis, das pauschal Eltern und Kinder entwertet und allen fachlichen Jugendhilfe-Standards entgegenläuft.

Im Auftrag des Bonner Landgerichts ist ein Gutachten der Universität Rostock, des Instituts sozialer Arbeit (ISA) und des International Centre For Social Legal Studies erstellt worden, das sich kritisch mit der Praxis des Herrn Dr. Winterhoff auseinandersetzt. Behandelt wird darin ausführlich, wie eine gute Jugendhilfepraxis sein soll; pädagogisch, fachlich, gemäß Rechtslage. Die Gutachter*innen beschreiben diametral andere Ziele und Leitideen, benennen Rechtsansprüche, beschreiben gelingendes pädagogisches Handeln, das in krassem Gegensatz zu dem steht, was im System Winterhoff praktiziert wird.[8]
Es bleibt abzuwarten, wie dieser Prozess weitergeht. Möglicherweise werden die geschick­teren Anwält*innen diesen Fall in ihrem Sinne beeinflussen. So schreibt die SZ am 02.06.25 in Bezug auf das Prozessgeschehen in Bonn zum Fall Winterhoff: „Das Gericht ist mit dem Prozess offensichtlich überfordert.“

Der Fall ist auch für Hamburg von großem Interesse, weil eine enge Zusammenarbeit der Ju­gendhilfe mit der Jugendpsychiatrie in einer angestrebten neuen Einrichtung geplant ist, für diejenigen „Fälle“, die die Institutionen an ihre Grenzen bringen.

Fazit:

Die Herausnahme der Kinder aus ihren Familien in frühen Jahren, ihre jahrelange medika­mentöse Ruhigstellung, eine fast ausschließlich repressive Erziehung ohne eine Förderung der Persönlichkeit und Unterstützung der oft überforderten Elternhäuser perpetuiert erfahrungsge­mäß eben die Retardierung, die angeblich behandelt wird. Eine positive Entwicklung der Kin­der kann ohne emotionale, kognitive und soziale Förderung nicht gelingen. Anregungsarme, repressive Unterbringungen führen stattdessen zu Deprivation, Hospitalisierung und artifiziel­ler Verblödung (bekannt seit den Untersuchungen der Enquete-Kommission zur Psychiatrie, 1975).

Eine medikamentöse Ruhigstellung kann in einer akuten Krise noch angemessen sein. Lang­fristig sind die psychopharmakologischen Medikamente Dipiperon u.a. jedoch aus guten Gründen nicht für die Behandlung von Kindern zugelassen.

Sozial und familiär belastete Kinder haben ein Recht auf langfristige Lebenshilfen für ein bes­seres Aufwachsen, Hilfen, die auch die Eltern und das soziale Lebensumfeld einbeziehen, ins­besondere diejenigen, bei denen die Eltern ganz ausfallen.[9]

Der Erfolg des Systems Winterhoff zeigt, dass die als überwunden geglaubten repressiven Re­zepte nach wie vor in den Köpfen vorherrschen – in der Politik, bei vielen Fachleuten sowie bei den „normalen Bürgern”. Die Erkenntnisse gelingender Hilfeplanung, in dem o.g. Gutach­ten ausführlich beschrieben[10], konnten wieder einmal nicht verhindern, dass (viel zu viele) Kinder mit Hilfe eines Psychiaters und der Jugendämter Repressionen ausgesetzt wurden, ent­mündigende demütigende Pädagogik erlebten und psycho-physisch geschädigt wurden. Nur ganz wenige Mutige wagten es, dagegen aufzustehen, Äußerungen der unterversorgten und wenig behüteten Kinder wurden pathologisiert und medikamentös unterdrückt. Den Kindern, die vielfältig Verletzungen ausgesetzt waren, wurde von vorneherein eine Entwicklungsper­spektive abgesprochen. Das offenbar lukrative Geschäft für den Psychiater und die Träger wurde durchgezogen, auf Kosten der Kinder.

In den Systemen der (insbesondere der geschlossenen) Heime gibt es, wie schon aus der His­torie bekannt, kaum wirksame Kontrolle von außen.

Auch in diesem Fall, wie schon bei den Haasenburg-Heimen, war es die Presse, die auf ein in sich geschlossenes, missbräuchliches System aufmerksam macht. Es ist dringend nötig, dass sich die Beschäftigten in der Jugendhilfe sensibilisieren, organisieren und dazu beitragen, eine solche menschenrechtswidrige Praxis und ihre Grundlagen zu überwinden.


[1] Michael Winterhoff: Warum unsere Kinder Tyrannen werden. 2008

[2] In Fernseh- und Talkshows von Plasberg, Will, Lanz u.a. trat M. Winterhoff auf. Sein Weltbild fand breite Zustimmung auf Kongressen und bei Vorträgen.

[3] Frauke Hunfeld, Robin Hinsch: Niemand soll erleben, was ich erlebt habe. Der Spiegel. Nr.46, 13.11.2021

[4] Nicole Rosenbach: Schwere Vorwürfe gegen Kinderpsychiater, tagesschau.de, 09.08.2021, https://www.tagesschau.de/investigativ/wdr/kinderpsychiater-winterhoff-101.html; Nike Laurenz: Das System Michael Winterhoff, Spiegel Online, 19.08.2021, https://www.spiegel.de/psychologie/michael-winterhoff-warum-man-dem-kinderpsychiater-sadistische-zuege-attestiert-a-acce6ecb-dde3-4eed-8689-8676ae64a2a8

[5] Nicole Rosenbach: a.a.O.; Nike Laurenz: a.a.O.

[6] Rainer Stadler: Ruhe jetzt, Süddeutsche Zeitung 27.05.2025 S.3, online: www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/michael-winterhoff-prozess-kinderpsychiater-e379602/

[7] Nicole Rosenbach: a.a.O.

[8] Gutachten vom 24.05.2024, vorgelegt vom Institut für soziale Arbeit e.V., C. Schrapper; sozial internationale Centre: T. Meysen, Leon Brandt; Klinik für Psychiatrie und Neurologie im Kindes- und Jugendalter, Universität Rostock: M. Kölch

[9] L. Degener et al: Dressur zur Mündigkeit?. Beltz Juventa 2019

[10] C. Schrapper u.a. 2025: Wie kann Aufwachsen in der Krise gelingen? Verantwortung zwischen Jugendamt, freien Trägern und Kinder und Jugendpsychiatrie im Rahmen der Gesundheitsfürsorge. Gutachten im Auftrag des Gerichtes Bonn. Vorgelegt von: Institut für soziale Arbeit e.V., SOCLES International Centre for Socio-Legal Studies gGmbH, Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter – Universitätsmedizin Rostock. Der Bericht wurde durch die Stadt Bonn als Auftraggeber*in im Kontext der Beratungen im Jugendhilfeausschuss veröffentlicht und ist hier abrufbar: https://www.bonn.sitzung-online.de/public/to020?2–anlagenVoHeaderPanel-attachmentsList-0-attachment-link&TOLFDNR=2065993&SILFDNR=2003029


Zur Autorin:

Dr. med. Charlotte Köttgen; Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, für Psychothera­pie, Psychiatrie und Neurologie. Facharztausbildung im Universitätskrankenhaus Eppendorf. Erfah­rungen zum Thema: „Gruppentherapie junger an Schizophrenie erkrankter Patienten unter Einbeziehung der Eltern“ (vgl. Charlotte Köttgen et al: international journal of family psychiatry, 1984, vol. 5 Nummer 1), Beteiligung am Aufbau einer Jugendpsychiatrischen Station im psychiatrischen Universitäts­krankenhaus.

Leiterin des Jugendpsychologischen, – psychiatrischen Dienstes im Landesjugendamt Ham­burg von 1984-2003. Seither Mitwirkung in Gremien, Mitarbeit an einem Sozialraumpro­jekt, im Arbeitskreis Kinder, Jugend und Bildung der Patriotischen Gesellschaft sowie im Aktions­bündnis gegen geschlossene Unterbringung (AGU). Charlotte Köttgen war etwa 30 Jahre lang Sprecherin des Ausschusses Kinder und Jugend in der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V., in dem sie weiterhin aktiv ist.

Bücher (Hrsg.):

  • Ausgegrenzt und mittendrin. Jugendliche zwischen Erziehung, Therapie und Strafe, IGfH Verlag 2007, Frankfurt am Main.
  • Wenn alle Stricke reißen. Kinder und Jugendliche zwischen Erziehung, Therapie und Strafe, Psychiatrie-Verlag 1998, Köln.
  • (mit Ruth Baumann, Inge Grolle, Dieter Kretzer) Arbeitsfähig oder unbrauchbar? Die Geschichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie seit 1933 am Beispiel Hamburgs, Mabuse-Verlag 1994, Frankfurt am Main
  • Aus dem Rahmen fallen. Kinder u. Jugendliche zwischen Erziehung u. Psychiatrie, Psychiatrie-Verlag 1990, Bonn
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„Freiheit darf man nicht präventiv entziehen“ (Thomas Trenczek in der taz vom 1.4.25)

Jurist über geschlossene Jugendheime
„Freiheit darf man nicht präventiv entziehen“

Eine längerfristige, geplante geschlossene Unterbringung von Jugendlichen hält Sozial- und Rechtswissenschaftler Thomas Trenczek für nicht zulässig.

Lesenswertes Interview in der taz vom 1. April 2025: https://taz.de/Jurist-ueber-geschlossene-Jugendheime/!6078119/

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Landgericht Kiel urteilt: Keine Entschädigung für Friesenhof-Betreiberin

Die taz berichtet am 18.2.2025, dass das Landgericht Kiel eine Klage der Inhaberin der früheren Friesenhof-Mädchenheime auf Entschädigung durch das Land Schleswig-Holstein abgewiesen hat: „Umstrittenes Heim in Schleswig-Holstein: Land muss Friesenhof-Chefin nicht entschädigen“. Der komplette Artikel von Kaija Kutter kann hier weiter gelesen werden:  https://taz.de/Umstrittenes-Heim-in-Schleswig-Holstein/!6067067/

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„Impulse für die Weiterentwicklung der Jugendhilfe in Thüringen“ am 28.11.2024

Das Thüringer Aktionsbündnis gegen Geschlossene Unterbringung, die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau sowie der Kinderschutzbund Thüringen laden Sie herzlich zur gemeinsamen Veranstaltung „Impulse für die Weiterentwicklung der Jugendhilfe in Thüringen“ am 28.11.2024 ein.

An diesem Nachmittag möchten wir mit Ihnen und den eingeladenen Referent:innen über die aktuellen und politischen Entwicklungen in der Jugendhilfe nicht nur im Umgang mit sog. „Systemsprenger*innen“ sprechen. Zum Einstieg stellt Judith Feige vom Deutschen Institut für Menschenrechte (DIM) kurz die kinderrechtliche Perspektive auf freiheitsentziehende Maßnahmen dar und erläutert die entsprechenden Aktivitäten des DIM dazu. Anschließend erläutert Jesko Fuhrken das Projekt Port Nord in Bremen und wie dieses Projekt eine Alternative zur geschlossenen Unterbringung darstellen kann. Danach möchten wir den Blick auf Entwicklungen in Thüringen lenken. Stephanie Behrens (ASD Weimar) spricht über die Betreuung von Jugendlichen im eigenen Wohnraum im Kontext der Sozialraumorientierung in Weimar und Stefan Lenz von der Erfurter Jugendhilfestation Südost gibt Einblick in die ambulanten sozialräumlichen Hilfen vor Ort.

Danach wollen wir gemeinsam mit Ihnen offene Fragen klären und in einen Austausch kommen. Welche Aspekte aus den vorgestellten Konzepten könnten in anderen Teilen von Thüringen übernommen werden und welche weiteren Alternativen zur geschlossenen Unterbringung könnte es geben?

Wann: 28.11.2024 von 16:00 bis 18:00 Uhr

Wo: Theaterraum der Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Wir freuen uns sehr über ein zahlreiches Erscheinen und einen angeregten Austausch zu dieser Thematik mit Ihnen!

Impulse_Veranstaltung28.Nov Jena.pdf

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Bei uns fliegst Du nicht raus! – Bericht von der Fachtagung zu „Port Nord“ am 24. Januar 2024

Über 150 Interessierte waren am 24. Januar in den Reimarus-Saal der Patriotischen Gesellschaft von 1765 gekommen, um sich mit der intensiv- und individualpädagogischen Jugendhilfeeinrichtung „Port Nord“ aus Bremen auseinanderzusetzen.

Helga Treeß begrüßte für den Arbeitskreis Kinder, Jugend und Bildung der Patriotischen Gesellschaft von 1765, Michael Lindenberg für das Aktionsbündnis gegen geschlossene Unterbringung und danach führte Sinah Mielich, ebenfalls aktiv im Aktionsbündnis, durch den Tag.

Zur Eröffnung berichteten Jesko Fuhrken und Dominic Nehues aus dem Team von „Port Nord“ über die Entstehungsgeschichte und die Arbeitsweise der Einrichtung. Anschließend stellte Reinhold Schone, der an der Evaluation der Einrichtung beteiligt gewesen ist, die zentralen Ergebnisse der Untersuchung vor.

Nach einer Pause wurden die Diskussionen in drei Workshops fortgeführt. Gabi Spieker und Michael Lindenberg diskutierten mit Träger-Vertretern über Möglichkeiten der Kooperation und aktuelle Projekte und Herausforderungen in der Jugendhilfe. Claudia Chodzinski von der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) e.V. thematisierte die Kooperation von Psychiatrie und Jugendhilfe. Thomas Zurborg und Sandra Küchler gingen in ihrem Workshop der Frage nach, wie die Maxime des „unbedingten Bleibens“ in der Praxis der Jugendhilfe realisiert werden kann.

Die Veranstaltung schloss mit einer angeregten Diskussion zwischen den Leitungen der Workshops und dem Publikum zu der Frage, welche Konsequenzen wir aus den Erfahrungen des Projekts Port Nord für die erzieherische Jugendhilfe in Hamburg ziehen können.

Die Präsentationen von Jesko Fuhrken und Dominic Nehues sowie von Reinhold Schone und Claudia Chodzinski sind hier abrufbar:

Für den Abschlussbericht der Evaluation der Wohngruppe PortNord siehe:
https://media.suub.uni-bremen.de/handle/elib/7024

Eine Aufzeichnung der Vorträge ist hier zu finden: https://lecture2go.uni-hamburg.de/l2go/-/get/l/7467

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Nachruf auf Wolfgang Rosenkötter

Am 19.01.2024 ist unser Mitstreiter Wolfgang Rosenkötter für alle überraschend verstorben. Wir trauern mit seinen Angehörigen!

Sein Engagement für die Rechte von Kindern und Jugendlichen hat nachhaltig gewirkt und viel(e) erreicht. So war er lange Jahre im Verein Beratungs- und Ombudsstelle für Kinder und Jugendhilfe in Niedersachsen (BerNi e.V.) aktiv und maßgeblich an der Konzeption und Durchführung des „Tribunals über die Verletzung von Kinderrechten in der Heimerziehung“ beteiligt. Wir werden daran anknüpfen und ihn in unserem Gedächtnis behalten!

Ein Nachruf auf Wolfgang Rosenkötter ist auf der Seite des BerNi e.V. veröffentlicht worden: https://berni-ev.de/uploads/Nachruf%20Wolfgang%20Rosenkötter.pdf

Für alle, die sich noch mit einem letzten Gruß von ihm verabschieden wollen, wurde eine Gedenkseite eingerichtet: https://trauer-gedenkseite.de/wolfgang-rosenkoetter/

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Haasenburg-Skandal – Wegsperren von Kindern und Jugendlichen war und ist keine Lösung

Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Kindheit und Jugend in der Partei DIE LINKE sowie das bundesweite Aktionsbündnis gegen geschlossene Unterbringung haben das Urteil des Verwaltungsgerichts Cottbus vom 23.11.2023, wonach der Entzug der Betriebserlaubnis für die Heime der Haasenburg GmbH rechtswidrig gewesen sei, fassungslos zur Kenntnis genommen. Anlässlich dieses Urteils haben wir die Stellungnahme “Institutionellen Missbrauch in der Jugendhilfe aufarbeiten und überwinden statt decken und rechtfertigen” formuliert. Gemeinsam mit 14 Organisationen und weit über 100 Erstunterzeichner:innen in 24 Stunden – darunter Betroffene, Praktiker:innen der Jugendhilfe sowie Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik und Gewerkschaften – drängen wir darauf, das Verfahren in die nächste Instanz zu bringen und dort revidieren zu lassen sowie die Opfer der institutionellen Gewalt in den Heimen der Haasenburg GmbH endlich zu entschädigen.

Der Text der Stellungnahme ist im Folgenden zu finden sowie hier als PDF abrufbar: Stellungnahme Haasenburg-Urteil – BAG Kindheit und Jugend der LINKEN und des bundesweiten Aktionsbündnis_final (08.12.23)

Die mit weiteren Unterzeichnern ergänzte Stellungnahme (Stand: 19.12.2023) ist hier abrufbar: Stellungnahme Haasenburg-Urteil – BAG Kindheit und Jugend der LINKEN und des bundesweiten Aktionsbündnis_final (08.12.23)_update_19.12.23

Sie kann auf folgender Seite auch weiter unterzeichnet werden: www.openpetition.de/!kthcr

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