September 2002
Solange Armut, Hunger und Unwissenheit nicht beseitigt werden, macht man ein Volk zu Dieben und Räubern. (Pestalozzi)
Einleitung
In jedem Wahlkampf wird das Wegsperren von „kriminellen Kids, Intensivtätern, jugendlichen Gewalttätern“ – und wie sie sonst noch verallgemeinernd heißen – zum symbolischen Allheilmittel der Politik. Am 12.12.2001 stirbt ein 19jähriger, gesunder Mann, nach der gewaltsamen Verabreichung von Brechmitteln durch Ärzte. Diese Maßnahme diente der Strafverfolgung, der Mann soll die verschluckten Drogen erbrechen. Die zwangsweise Verabreichung des Brechmittels dient nicht der Heilbehandlung, zu der der ärztliche Eid verpflichtet. Der Brechmitteleinsatz soll den Täter überführen um ihn auszuweisen oder einzusperren. Weshalb aber werden Vergleichbare Methoden bei den steigenden Zahlen an Wirtschafts – Kriminalität, die sich Unterschlagung, Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Bestechung, Filz u.a. leisten und die das Allgemeinwohl empfindlich schädigen, weder gefordert noch angewandt? Die todbringende, ärztlich durchgeführte Gewaltmaßnahme wird damit gerechtfertigt, daß der junge Mann schließlich „ein Dealer“ war! Die Würde des Menschen, auch eines Dealers, ist unantastbar, sagt das Grundgesetz. Obwohl die Wiederholung des tödlichen Risikos nicht ausgeschlossen werden kann, die Ärztekammer den sofortigen Stopp des Einsatzes von Brechmitteln verlangt, sollen die Zwangsmaßnahmen in Hamburg dennoch fortgesetzt werden. Die geschürte Angst vor der Jugend wird zu Wahlkampfzwecken regelmäßig benutzt und mißbraucht.
Kriminalitätskurven werden wie an der Börse gehandelt. Das Grauen wird gesteigert….mit sex and crime lassen sich Geschäfte machen (Ostendorf,1998 ). Der Jugendliche, dem sein Vater einen guten Anwalt zur Seite stellen kann, wird nicht in gleicher Weise bestraft.
Ist die Verhältnismäßigkeit der Mittel hier noch gewahrt?
Bedroht der Dealer auf der Straße tatsächlich die innere Sicherheit, wie es täglich suggeriert werden soll? Weiterlesen →