Debatte um geschlossene Unterbringung in Bremen

Am 10. Mai wird in Bremen die Bremische Bürgerschaft neu gewählt. Vor diesem Hintergrund versucht der Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) mit Law and Order-Maßnahmen zu punkten und hat sich jüngst für die Einführung von geschlossenen Heimen für auffällige minderjährige Flüchtlinge ausgesprochen.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen e.V., u.a. bestehend aus Vertretern von Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutschem Roten Kreuz, Diakonischem Werk und Jüdischer Gemeinde hat sich am 04.02.15 in einer Stellungnahme klar gegen diese Pläne positioniert. Auch das Bremer Bündnis Soziale Arbeit widersetzt sich diesen Plänen und hat auf seiner Homepage Informationen gegen die geschlossene Unterbringung von Jugendlichen gesammelt: „Robuste“ Jugendhilfe – Debatte „Geschlossene Unterbringung“

Vor diesem Hintergrund ist Michael Lindenberg aus dem Aktionsbündnis gegen Geschlossene Unterbringung von der taz interviewt worden. Auf das gestern erschienene Interview möchten wir an dieser Stelle gerne hinweisen:

Kriminologe Michael Lindenberg über geschlossene Unterbringung

„Nicht lösungsorientiert“

Bremen will straffällige minderjährige Flüchtlinge geschlossen unterbringen – der Kriminologe Lindenberg hält das für falsch.

taz: Herr Lindenberg, Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen fordert für besonders renitente unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nun geschlossene Unterbringung …

Michael Lindenberg: Er wirft Justiz und Jugendhilfe in einen Topf. Das ist falsch. Straftaten sind kein ausreichender Grund für die geschlossene Unterbringung. Auch wenn das politisch immer wieder versucht wird.

Was bedeutet überhaupt ein „geschlossenes Heim“?

In der Regel wird einem Stufenmodell gefolgt: Die Jugendliche dürfen in den ersten Wochen die Einrichtung nicht verlassen, dann haben sie Ausgang in Begleitung, dann begrenzte Ausgänge allein. Die Grundlage dafür ist das Jugendhilferecht und ein Beschluss vom Familienrichter. Der darf das aber nur verhängen, wenn der Selbst- oder Fremdgefährdung nicht durch andere Hilfen begegnet werden kann. Das heißt, erst einmal müssen diese anderen Hilfen versucht werden.

Die 20 bis 25 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge begehen regelmäßig Straftaten, schlagen Polizisten und Betreuer.

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Ein Kommentar zu Debatte um geschlossene Unterbringung in Bremen

  1. GU-Koop zwischen Hamburg und Bremen ? Das grenzt langsam an absurdes Theater. Heute am 20.3.2015 konnten wir im Weserkurier (siehe link unten) lesen, dass sich in Bremen [glücklicherweise, d.V.] keinTräger findet, der bereit wäre, die von Bürgermeister Böhrnsen geforderte GU direkt an der JVA mit auffälligen jungen Geflüchteten ohne Eltern zu betreiben. Nun seien die Räume (sprich Zäune) fertig umgebaut, nur der Träger fehle. DER SOLL NUN VON HAMBURG GELIEFERT WERDEN ?

    Erst „importiert“ 2011 Hamburg den Bremer FINANZFACHMANN Pörksen und verwandelt ihn (schwupp die wupp) in Staatsrat für Soziales ? Jetzt „importiert“ Bremen aus Hamburg eine neugründete „PTJ GmbH, Pädagogisch Therapeutische Jugendhilfe“, die in Hamburg keine Räume für GU findet und nun in Bremen im Jugendhilferahmen Minderjährige mit Freiheitsentziehung bei der JVA „beglücken“ soll ?

    Nun wissen wir ja, dass diese medialen Inszenierungen wahrscheinlich umF abschrecken sollen, Hamburg oder Bremen als Zielort zu wählen, solange der umverteilende „Königsteiner Schlüssel“ [glücklicherweise, d.V.) laut Gesetz noch nicht auf umF Anwendung findet darf. Immerhin befürchtet Bremen in 2015 (nach „Unkenrufen“) mit bis zu 900 umF konfrontiert zu werden.

    Ein makabres Spiel, bei dem nach jahrezentelangem Scheitern der GU und ihrer erfolgreichen (fast)Abschaffung Ende der 1980er ganz nebenbei ein Klima neuerlichen polizeilichen „Fürsorge“denkens reaktiviert werden soll. Und die SPD macht für mehr Wählerstimmen (im bremischen Wahlkampf getrieben von der CDU und AFD) alles mit ? Obwohl ihre Macht in Bremen nicht in Frage steht ? Die Parteibasis der Regierenden in Bremen (SPD/Grüne) scheint sich diesem Kurs nicht ohne Widerstand beugen zu wollen.

    Gut, dass es die Bewegung gegen die GU in Hamburg und Bremen gibt und die allermeisten Träger auch nicht bereit sind, solch (modern verkleisterte) repressive schwarze Pädagogik mitzumachen.

    In Bremen ist für Mitte Juni 2015 vom AKS und BBSA und dem Bremer Flüchtlingsrat eine öffentliche Veranstaltung zu dem Thema geplant.

    http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadtreport_artikel,-Rot-Gruen-streitet-ueber-Problemfluechtlinge-_arid,1083888.html

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