Lehrkräfte und Studierende des Departments Soziale Arbeit an der HAW Hamburg: Initiative gegen eine Geschlossene Unterbringung

Die Geschlossene Unterbringung in der Einrichtung Haasenburg ist gescheitert. Der Betrieb in Brandenburg in den in den letzten Jahren etwa 50 Hamburger Kinder und Jugendliche eingewiesen wurden, wird aufgrund eklatanter Missstände eingestellt. Auch in Hamburg scheiterte das Projekt Geschlossene Unterbringung in der Feuerbergstraße, die im Jahre 2003 wieder in Hamburg eingeführt wurde, aufgrund unhaltbarer Zustände im Jahre 2008 geschlossen wurde.

In „Freiheitsentziehende Maßnahmen“ der Jugendhilfe lautet ein leitendes erzieherisches Prinzip Anpassung, was in Folge eine dauerhafte Kontrolle auslöst. Kinder und Jugendliche werden durch den Einschluss systematisch gedemütigt, ihr Selbstwertgefühl angegriffen. Unterordnung, Zwang und Disziplinierung werden als Erziehungshilfe legitimiert. Es geht eindeutig um das Wegsperren, aus Angst, die Kinder und Jugendlichen könnten die öffentliche Sicherheit gefährden. Dabei werden fast alle erziehungswissenschaftlichen Erkenntnisse negiert. Senator Scheele argumentiert, wird nicht härter eingegriffen, könne eine krisenhafte Lebenssituation nicht gestoppt werden. Das Gegenteil ist der Fall. Bei der Geschlossenen Unterbringung handelt es sich in erster Linie um Freiheitsentzug, der die Probleme, die er lösen soll, eher verschärft und die Kinder und Jugendlichen um „Knasterfahrungen“ noch bereichert und ihre Verhaltensweisen verfestigt. Das Antrainieren von Wohlverhalten ist keine Erziehung. Die Geschlossene Unterbringung verstößt insofern gegen die Intention der internationalen Ethic Codes der Sozialen Arbeit. Träger und sozialpädagogische Fachkräfte sollten sich weder für die Einrichtung noch die Durchführung zur Verfügung stellen.

Kinder und Jugendliche, die am Ende von gescheiterten Erziehungsprozessen und Maßnahmen stehen, stellen die Jugendhilfe ohne Zweifel vor eine schwierige Herausforderung. Dies berechtigt aber nicht die Verletzung von Kinderrechten und der Menschenwürde. Zur Geschlossenen Unterbringung können sinnvolle und erfolgreiche Alternativen entwickelt werden. Dazu fordert das Hamburger Aktionsbündnis gegen Geschlossene Unterbringung eine verlässliche Zusammenarbeit von Trägern und Einzelpersonen, die in Krisensituationen Familien, Kinder und Jugendlichen begleiten und helfen, auch schwierige Lebenssituationen zu meistern. In diesem Sinne unterstützen wir das Aktionsbündnis gegen Geschlossene Unterbringung (www.geschlossene-unterbringung.de). Gegen die Geschlossene Unterbringung sprechen sich eine Vielzahl von Verbänden, Wissenschaftler/innen, Studierende, Mitarbeiter/innen von freien Trägern aus.

Unterzeichner/innen: Prof. em. Dr. Manfred Neuffer (verantwortlich), Prof. Mary Schmoecker, Prof. Dr. Jutta Hagen, Prof. Dr. Annita Kalpaka, Prof. Dr. Knut Hinrichs, Prof. Dr. Jack Weber, Prof. Dr. Harald Ansen, Prof. Dr. Ulrike Voigtsberger, Prof. Dr. Marion Panitzsch-Wiebe, Prof. Dr. Andreas Langer, Prof. Dr. Wolfgang Becker, Dr. Ute Düßler, Herma Tewes, Mirja Hartmann, Stephan Heimsohn, Christina Wagner, Alex Sayed Rahman, Tönnies Bündert, Sally Peters, Lara Thomas, Eike Göls, Sylwia Pawlak, Jana Molle, Petja Schneider, Sabrina Dierke, Sandra Decken, Nadia Jahn, Kirstin Stobrawa, Susan Dabbert, Angelika Schygulla, Christian Mester

(Stand 27.11.13)

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